
Am 28. Mai 2026 feierten wir unseren ersten öffentlichen Vortrag an der TU München. Im Rahmen einer Knowledge Sharing Session, veranstaltet von den Munich Music Labs, sprach Joachim zum Thema „The Disruption of Meaning – AI, Music, Ethics“. Es war ein hochgradig interaktives Event, bei dem das Publikum vor Ort und online intensiv eingebunden war.
Wir starteten mit einem Blindvergleich von zwei Versionen einer kurzen Filmszene: Eine Version war mit KI-generierter Musik unterlegt (Googles Lyria-3-Modell, das per Prompt sekundengenau Stimmungen nachzeichnen sollte), die andere mit einer rein menschlich komponierten Filmmusik. Das Ergebnis des Blindvergleichs war verblüffend: Die Zuhörer konnten schon heute nicht mehr klar zuordnen, welche Musik menschlichen und welche maschinellen Ursprungs war.
Erst bei einer genaueren Analyse wurde der entscheidende Unterschied deutlich: Der menschliche Komponist verlieh der Szene durch seine Musik eine zusätzliche Bedeutungsebene. Er setzte bewusst auf eine 8-Bit-Computerspielästhetik, die das Publikum akustisch in eine völlig andere Welt versetzte, als die Bilder vermuteten. Der ungekürzte Ausschnitt mit der preisgekrönten Musik ist übrigens hier auf YouTube zu sehen. Eine solche subtile, zweite Ebene konnte die KI nicht erzeugen – obwohl der Wunsch nach einem „Genre Change“ Teil des Prompts war.
Im weiteren Verlauf des Abends beleuchteten wir, wie neue Technologien die Musikproduktion über die letzten Jahrzehnte verändert haben. Einerseits reißen sie Markteintrittshürden ein und demokratisieren den Zugang zur Musikproduktion – in letzter Konsequenz nun durch „Prompt-to-Song“-Generatoren. Gleichzeitig führen sie jedoch zu einer Vereinheitlichung (wie etwa den durch Streaming veränderten Songstrukturen) und zu einem massiven Verdrängungswettbewerb. Wenn der Markt mit massenproduzierten Songs geflutet wird, wird es immer schwieriger, sich musikalisch abzuheben.
Natürlich kamen auch Fragen des Urheberrechts und der ökologische Fußabdruck von KI-Rechenzentren zur Sprache. Gerade bei den Munich Music Labs stand jedoch eine Frage im Vordergrund: Wie können wir Technologie und Software so gestalten, dass der menschliche Handlungsspielraum und die kreative Integrität erweitert – und nicht durch das Softwaredesign subtil unterdrückt werden?
Die Diskussionen über KI-Autorschaft, Maschinenbewusstsein und die gesellschaftlichen Auswirkungen hallten im Nachgang noch lange nach. Ein rundum gelungener Auftakt für die Vortragsreihe von &ai!
Arcisstraße 21, 80333 München; Hörsaal: Gebäude 0502, Erdgeschoss, Raum 220
